Freitag, den 18.09.2026 um 14.00 Uhr
Walther-Rathenau-Straße 16
19055 Schwerin

Gerhard Priesemann war Planungsstatistiker mit Wohnsitz in Schwerin. Er wurde am 30. August 1950 auf dem Weg zur Arbeit festgenommen und in Schwerin inhaftiert. Das Sowjetische Militärtribunal (SMT) Nr. 48240 verurteilte ihn am 3. Februar 1951 in Schwerin wegen angeblicher Spionage, antisowjetischer Propaganda und Mitgliedschaft in einer konterrevolutionären Organisation zum Tode durch Erschießen. Das Präsidium des Obersten Sowjets lehnte sein Gnadengesuch am 5. Mai 1951 ab. Das Todesurteil wurde am 14. Mai 1951 in Moskau vollstreckt. Am 20. Juli 1992 wurde er durch die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation (GWP) rehabilitiert.

Gerhard Priesemann wurde am 11. Oktober 1911 in Rostock/Mecklenburg-Schwerin geboren. Er stammte aus einer Angestelltenfamilie, war verheiratet und Vater von vier Kindern. Von 1937 bis 1945 gehörte er der NSDAP an und diente von 1939 bis 1940 sowie von 1943 bis 1945 in der Wehrmacht, zuletzt im Rang eines Leutnants. Nach Kriegsende trat er in die CDU ein. Der studierte Lehrer wurde im Rahmen der Entnazifizierung nach dem 8. Mai 1945 aus dem Schuldienst entlassen. Er war 1947 als Umschüler beim Kreisvermessungsamt Schwerin tätig und arbeitete zuletzt als Planungsstatistiker bei der VVB in Schwerin. Priesemann, der in seiner Partei als Anhänger des von der SMAD ( Sowjetische Militäradministration in Deutschland) 1947 zum Rücktritt gezwungenen Jakob Kaiser galt, fiel offenbar durch regimekritische Äußerungen auf und soll seine Übersiedlung in die Bundesrepublik vorbereitet haben.

Veranstalter: MEMORIAL Deutschland e.V. zusammen mit der Arno Esch-Stiftung

Quelle: Roginskij, Arsenij / Drauschke, Frank / Kaminsky, Anna (Hrsg.): „Erschossen in Moskau…“ Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950–1953, Metropol Verlag, Berlin (4. Aufl. 2020) [Erstauflage 2005].